Geschichte des Hauses

Ihren Anfang nahm die Sammlung des Stadtmuseums im Jahre 1824, als der damalige Bürgermeister der Stadt Wiener Neustadt, Felix Mießl, beschloss, das ,,Antiquitäten Cabinet" im Rathaus vom städtischen Beamten Ferdinand Carl Boeheim unter Anleitung des kunstsinnigen Magistratsrates Johann Nepomuk Fronner ordnen und inventarisieren zu lassen. Ergebnis dieser Bemühungen war ein in Wiener Neustadt gedrucktes Werk - das erste Inventarbuch des Hauses - das damals 72 Inventarstücke, darunter auch Kostbarkeiten wie den "Corvinusbecher", das silberne Evangeliar sowie mehrere Ölbilder aus der Hand des Wiener Neustädter Historienmalers Ferdinand Josef Waßhuber, enthielt. Die Aufstellung der Museumsgegenstände erfolgte ein Jahr später (1825) im Rathaus und wurde von den beiden genannten Beamten vorgenommen. Doch schon 1814 beschreibt ein Wiener Forstbeamter in seinem Tagebuch einen Besuch im Rathausturm, wo er wertvolle  "Antiquitäten"  besichtigte. Sie sind heute, wie das Evangeliar und der Corvinusbecher, zentrale Exponate der Schausammlung.

Gezielte Sammlertätigkeit führte sehr bald zu einem Anwachsen der Sammlung; vor allem Zunftgegenstände, Münzen, aber auch Kunstgegenstände aus aufgelassenen Klöstern, Porzellan und Mobiliar der Biedermeierzeit kamen hinzu. Die Folge war Platzmangel im Rathaus, sodass Teile der damaligen Sammlung, wie die umfangreiche Sammlung der Tonwarenfabrik De Cente, ins Neukloster ausgelagert werden mussten.

Um diese Zeit bemühte man sich auch um einen Museumsneubau, der auf dem Areal des heutigen Esperantoparks geplant war und neben dem Museum auch Archiv, Stadtbibliothek, einen Lesesaal sowie Büros, Depots und Arbeitsräume beherbergen sollte. Dieser Plan wurde vor allem vom Zisterzienserpater Bernhard Otter befürwortet, der zu dieser Zeit ehrenamtlicher Kustos des Museums war. Obwohl der Gemeinderat damit befasst war und bereits Entwürfe des Wiener Architekten Richard Jordan vorlagen, wurde dieses Projekt wieder verworfen. Ausschlaggebend für das Scheitern des Projektes waren die Uneinigkeit über den Standplatz, die Weigerung des Abtes von Heiligenkreuz, die Sammlungen des Neuklosters mit denen der Stadt zu vereinigen, und sicherlich auch Finanzierungsprobleme, die ein Museumsneubau mit sich gebracht hätte.

Große Erleichterung im Platzangebot brachte die 1904 erfolgte Übersiedlung der Sammlung in die ehemalige Jesuitenresidenz bei der Vorstadtkirche, die seit 1783 als Truppenspital in Verwendung stand. In den neuen Räumlichkeiten war nicht nur das Museum, sondern auch das Archiv der Stadt untergebracht. Die fachgerechte Aufstellung wurde dem Direktor der hiesigen Lehrerbildungsanstalt, Herrn Dr. Josef Mayer, überantwortet, der damals auch Mitglied der Stadtregierung war und uns bis heute durch seine vierbändige Stadtchronik ein Begriff ist. Die urgeschichtliche Sammlung war zu diesem Zeitpunkt im Rakoczyturm der Burg untergebracht. Der neuerliche Versuch, im ehemaligen kaiserlichen Zeughaus ein Kulturzentrum, vergleichbar dem zur Jahrhundertwende geplanten Museumsneubau im Esperantopark, einzurichten, das Archiv, Museum und städtische Bibliothek beherbergen sollte, wurde vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vereitelt. Der Bombenkrieg mit seinen verheerenden Folgen zerstörte nicht nur das Zeughaus, sondern machte auch die Auslagerung der Archiv- und Museumsbestände nach Seebenstein und Alt-Aussee notwendig. Gleich nach dem Krieg wurde mit der Rückführung der ausgelagerten Gegenstände begonnen.

Im Jahre 1950 erfolgte dann eine Neuaufstellung des Museums bei der Vorstadtkirche, wobei der zum ehrenamtlichen Kurator des Museums bestellte OSR Georg Niemetz mit den geringen Mitteln der Nachkriegszeit ein optimales Ergebnis erzielte. Wertvolle Hilfestellung leisteten damals der verantwortliche Kulturstadtrat Karl Ditlmann sowie der Magistratsbeamte Dr. Karl Saindl. Nachdem die Bestände des Archivs und des Museums erneut angewachsen waren und arger Platzmangel herrschte, entschloss man sich, Archiv und Museum auch räumlich zu trennen. Für das Archiv wurden 1964 die Räumlichkeiten des ehemaligen Dominikanerinnenklosters bei St. Peter an der Sperr adaptiert. Der freigewordene Platz im Museum wurde für die Einrichtung eines Ferdinand Porsche-Zimmers, eines Bilderdepots und die Neuaufstellung der ur- und frühgeschichtlichen Sammlung unter HR Dr. Hampel verwendet.

Ende der 80er Jahre zeigte sich in beiden Häusern wieder eine angespannte Platzsituation, wobei diese noch durch das Fehlen geeigneter Depoträumlichkeiten im damaligen Stadtmuseum und die Baufälligkeit des aus der Barockzeit stammenden Gebäudes verschärft wurde. Nach langen Überlegungen hinsichtlich einer Sanierung und Vergrößerung des Museums an seinem alten Platz, setzte sich doch die Idee durch, die beiden Häuser zu tauschen.

Das Museum bekam an seinem neuen Standplatz, der nun in der Altstadt liegt, an der Stelle des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Klostertraktes einen modernen Zubau, der 1994 anlässlich der Feierlichkeiten zum 8oojährigen Stadtjubiläum feierlich eröffnet wurde. Verbunden mit dem Neubau war auch eine Neuaufstellung der Sammlung durch die damalige Archivdirektorin und Museumsleiterin HR Dr. Gertrud Buttlar-Elberberg.

Etliche Sonderausstellungen wie z.B. "550 Jahre Stift Neukloster in Wiener Neustadt" oder die Ausstellung über das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener und deren Ankunft in der Heimkehrerstadt Wiener Neustadt trugen zum neuen Erscheinungsbild des Hauses bei.

Aber auch Aktivitäten wie z.B. die Einrichtung einer Außenstelle des Stadtmuseums im Südturm des Domes sowie die stark frequentierten Sonderausstellungen über Landschaftsmalerei des 19. und 20. Jahrhunderts oder etwa der Besucherrekord bei der Jubiläumsausstellung über Kaiser Maximilian I. waren erfolgreich. Kulturhistorische, historische und naturwissenschaftliche Ausstellungen werden durch Kunstausstellungen in der ehemaligen Klosterkirche ergänzt.

Weiters haben Workshops für Kinder und Erwachsene und nach museums-pädagogischen Gesichtspunkten gestaltete Führungen zu einem lebendigen Museumsbetrieb geführt, der von weiten Kreisen der Bevölkerung angenommen wird. Auch die vom Stadtmuseum veranstalteten Konzerte, die bereits ein treues Stammpublikum haben, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Wiener Neustadt wird Austragungsort der NÖ Landesausstellung 2019 sein. Die beiden Schauplätze in den Kasematten und der Komplex St. Peter an der Sperr / Stadtmuseum werden umfangreich saniert. Deshalb macht das Stadtmuseum Platz für einen Umbau. Nach der Landesausstellung zieht die städtische Sammlung wieder in den adaptierten Bau ein.

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